Karneval-Vereinigung der Rheinländer

99 Jahre Karneval-Vereinigung der Rheinländer

Trotz ausgefallener Prunksitzung und Schoduvel, in der nächsten Session gibt es nur ein Thema für die weiß-grüne Vereinigung, denn am 11. 11. 2021 wird nicht nur der Prinz proklamiert! Nein – doch – Oh!!! Dies ist der Startschuss in die Jubiläumssession anlässlich des 99-jährigen Bestehens der KVR. Wären damals am 17. August 1922 die rund 80 Gründungsmitglieder nicht dem Aufruf von Studienrat Kämpfer in der Braunschweigischen Landeszeitung gefolgt, so hätte der Braunschweiger Karneval nicht nur einen Traditionsverein weniger, sondern wäre auch um einige rheinische Bräuche ärmer.

Um diesen außergewöhnlichen Anlass gebührend zu feiern, scharren die Aktiven bereits heute mit den Füßen. Der Vorstand um Präsident Karsten Heidrich plant fleißig die Prunksitzung 2022, mehr Prunk als Sitzung – denn sitzen kann man auch zu Hause. Die Tanzgarden, Solisten, Büttenredner, die Funkengarde und was die KVR noch so alles zu bieten hat bereiten sich akribisch auf das eine Event am 26. Februar 2022 vor. Natürlich – denn dafür ist die Vereinigung bekannt – wird nicht nur das „Stammpersonal“ den bunten Wahnsinn in der Volkswagen Halle befeuern: zusätzlich sind bereits heute diverse Stars und Sternchen für die Jubiläumsprunksitzung verpflichtet worden, um die längste Polonaise, die es je in der Volkswagen Halle geben wird, gemeinsam mit dem zukünftigen Prinzen anzuführen. 

Funkengarde

Wir schreiben das Jahr 1928. Erstmals erklang als Büttenmarsch der Vereinigung der Rheinländer der „Kreuzfidele Kupferschmied“ von Carl Peter. Im selben Jahr wurde auch die Funkengarde in Braunschweig gegründet. Der „Kreuzfidele Kupferschmied“ wird nicht mehr bei der heutigen Karneval-Vereinigung der Rheinländer gespielt, dafür kann man allerdings das inzwischen in die KVR eingegliederte Funkencorps bei der aktiven Pflege des karnevalistischen Brauchtums beobachten und bestaunen. Nicht nur die Eigenständigkeit der Garde, sondern auch die ursprünglichen blau-roten Uniformen wurden der Tradition zum Trotze über Bord geworfen. Heute erstrahlt das Ornat eines jeden Funken, angelehnt an das Kölner Funkencorps, in Rot-Weiß.

In der Session 2021/22 ist die Funkengarde der KVR unter ihrem derzeitigen Kommandanten Peter Hosse bereits 93 Jahre im Karneval aktiv. Man darf gespannt sein, was die Gardisten für die folgende Session, im Speziellen zur großen Jubiläums-Prunksitzung der KVR am 26. Februar 2022 in der Volkswagen Halle, vorbereitet haben. Mit dabei sein wird auf jeden Fall der witzige Stippeföttchen-Tanz. Bei diesem traditionellen Ritual stellen sich je zwei Gardisten Hintern an Hintern in leichter Kniebeuge auf, mit vorgehaltener Knabüs. Auf Kommando bewegen sie den Hintern nach rhythmischer Musik hin und her. Sie wibbeln. Stippeföttche bedeutet: Das Föttche (der Po) wird erusstippt (herausgestreckt). 

Sitzungspräsident Rainer Grossert

Der Sitzungspräsident Rainer Grossert ist ein wahres Urgestein der KVR. Seit 1978 ist er unermüdlich im Einsatz für den Rheinischen Karneval in Braunschweig. Er engagierte sich beim damaligen Männerballett und auch in der Funkengarde. Ab 1982 stellte er sein Können in der Bütt unter Beweis. Das gelang ihm so gut, dass er ab dem Jahre 2000 zuerst stellvertretender Sitzungspräsident war. Ab dem Jahr 2002 ist Rainer Sitzungspräsident und somit sitzungsleitendes Thronratsmitglied – also unglaubliche 19 Jahre. 

Zeremonienmeister Werner Dornack

Die Aufgaben von KVR-Zeremonienmeister Werner Dornack während einer Prunksitzung sind vielfältig: Er muss das hektische Chaos hinter der Bühne den Zuschauern als perfekte Inszenierung auf der Bühne darbieten! Er muss die Gedanken des Präsidenten immer vorausahnen! Er muss jeden einzelnen Aktiven auf der Bühne so behandeln, dass dieser den zutreffenden Eindruck gewinnt, er sei die allerwichtigste Person der Sitzung! Er muss den richtigen Stab mit Würde tragen! Er muss den Frohsinn des Karnevals und den des Thronrates ausstrahlen!
Und das kann er mit gelassener Miene perfekt. Er, das ist Werner Dornack: seit 1972 Mitglied der KVR,ehemaliger Funke, Tanzoffizier, Prinz, Regisseur, Bühnendekorateur, Schatzmeister, Vorstands- und Elferratsmitglied! Er, das ist aber noch ein anderer Werner Dornack. Seit 1979 vom ersten Umzug an dabei, ein Jahr später mit dem legendären Ritt auf dem Kamel und von 1986 bis 2011 Zugleiter der KVR. Letzteres schien allerdings die leichtere seiner beiden Aktivitäten zu sein, da er ja dabei nur rund 1000 Jecken unter einen Hut zu bringen hatte…

Prinzenehrengarde

Welches an Karneval interessierte Mädchen träumt nicht davon, einmal in einer großen Tanzgarde des Karnevals zu tanzen? Seit 1983 hat auch die KVR eine solche Garde. Sie wurde von unserem Mitglied Ruth Lehmann gegründet und bestand zunächst aus neun Damen. In den nächsten Jahren schwankte die Anzahl der Mädchen zwischen 10 und 14 Tänzerinnen. 1988 erhielten die Mädchen neue, maßgeschneiderte Kostüme in den Vereinsfarben Grün-Weiß. Seither wird die Garde von unserem Mitglied Carola Xyländer-Scharnberg, Inhaberin des Tanzstudios Am Zuckerberg in Braunschweig, trainiert.

In unserer Jubiläumssession 1991/92 wurde die Tanzgarde in Prinzenehrengarde umbenannt. Von nun an tanzt sie zu Ehren des amtierenden Prinzen und steht an seiner Seite. Zur Zeit gehören zehn engagierte Mädchen zur Garde, diedurch hartes Training, reichlich Spaß am Karneval und neue Tänze die Besucher der Karnevalsveranstaltungen begeistern. Zur besonderen Freude der Mädchen wurden sie jüngst mit maßgeschneiderten Kostümen neu ausgestattet. Nun ist die Freude auf die neue Session doppelt so groß.

Prinzenredner Thomas Deist

Alles und jeder hat eine Geschichte – auch der Prinzenredner. Sie beginnt mit einer Frage und endet mit einer Antwort: Was macht ein Kölner in Niedersachsen – einer, der den Karneval im Blut hat? Ist er unglücklich? Irgendwann wurde mir unterstellt: „Du kannst das doch, du bist Rechtsanwalt und Rheinländer!“ Welche Anmaßung…

So ging es los: Ich trat in Celle auf und tingelte durch diverse Prunksitzungen, auf dem Land und in den Städten. Jahrelang. Dreimal war ich Gast in Braunschweig, als Zuhörer. Da oben auf der Bühne wollte ich mal stehen. Ein Traum. Einer, der die KVR kennt, sah und hörte mich auf einer Veranstaltung. „Den müsst ihr kennenlernen, der ist was für euch!“ Das Feuer erlosch fast, die Arbeit nahm überhand. Bis zu jenem Prinzenempfang 2007, als ich – angedacht – meine letzte Rede halten wollte. Peter Hosse, mein lieber Freund, war Prinz! Und dann standen alle auf, klatschten minutenlang. Karsten Heidrich nahm mich zur Seite und sagte: „Du bist auf unserer Bühne!“ Also doch. Jetzt, wo ich aufhören wollte.

Es begann dort oben in der Stadthalle und ging weiter. Jahr für Jahr. So wurde ich zu dem, der die Rede auf den Prinzen hält. Zum glühenden Verehrer und Mitglied der KVR, des Braunschweiger Karnevals. „Aber nur politisch und gereimt, keine dummen Witze!“ Man ließ mich gewähren, bis heute. Und ich tue es immer noch gerne. Karneval ist für mich auch Satire, Kabarett, nicht nur Dauerschunkeln und Mitsingen. Ich liebe intelligente, geschliffene Reden, Wortspiele, in denen die Politik karikiert wird. Wie geht es mit mir weiter? Genauso, wie es jetzt ist. Die Politik liefert die besten Büttenreden. Die halte ich für Braunschweig, so lange ihr mich wollt.

 

„Hallo, ich bin der Prinz der KVR. Ich bringe Sie, Dich, gern zu unserer KVR Homepage.
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